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Technische Regulierung im Gebäudebereich

 

Energievorschriften sind in verschiedenen Branchen ein massgeblicher Treiber zur Steigerung der Energieeffizienz und Reduktion von CO2 – auch in der Baubranche. Die heutigen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn2014) stossen jedoch an technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grenzen. Eine Weiterentwicklung der MuKEn2014 nach dem Grundsatz "Weiter wie bisher" wäre eine verpasste Chance. In dieser Ergänzungsstudie werden daher verschiedene methodische Ansätze für Energievorschriften untersucht und weiterentwickelt.

Projektbeschrieb (laufendes Forschungsprojekt)

Für die Transformation des Energiesystems ist die Weiterentwicklung von Energievorschriften im Gebäudebereich entscheidend, damit neue Systeme, Konzepte und Elemente grossflächig realisiert werden. Die Ergänzungsstudie untersucht daher regulatorische Massnahmen mittels Energievorschriften, namentlich der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn). Künftig sollen die MuKEn nicht mehr allein auf das Erreichen von Grenzwerten ausgelegt sein, sondern es sollen Methoden entwickelt werden, welche die Energieeffizienz, die CO2-Reduktion und Gewinnung von erneuerbaren Energien am einzelnen Gebäude oder in ganzen Siedlungen maximieren. Es werden Anreize gestaltet, welche die deutliche Unterschreitung der geforderten Grenzwerte forcieren. Dies erfordert eine umfassende Berücksichtigung aller bauphysikalischen und technischen Aspekte, auf welche die Energievorschriften einwirken.

Zielsetzung

Die Ergänzungsstudie untersucht die heutige Situation, identifiziert künftige Herausforderungen und skizziert mögliche Lösungsansätze. Im Zentrum der Untersuchung stehen die heutigen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn2014) und deren künftige Entwicklung (MuKEn2025). Es werden grundlegend neue Ansätze gesucht mit dem Ziel, die Energievorschriften und deren Vollzug gleichermassen einfach wie wirkungsvoll zu gestalten, verbunden mit einem möglichst hohen Freiheitsgrad für künftige Lösungen. Folgenden Fragestellungen wird unter anderem nachgegangen:

  • Wo bestehen bei den heutigen MuKEn2014 Barrieren und Einschränkungen, die gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Innovationen hemmen? Aus welchen Überlegungen wurden diese Barrieren und Einschränkungen geschaffen? Wie können Attraktivitätssteigerungen/Anreize für Stakeholder, im Speziellen für Immobilienentwickler/-investoren, geschaffen werden, damit Vorschriften als Instrument für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen verstanden werden?
  • Wie kann der Vollzug für alle Beteiligten (Planer, Bauherr, Vollzugsbehörde) bei der zu erwartenden Zunahme der Komplexität der zu beurteilenden Systeme vereinfacht werden? Welche (neuen) Planungsprozesse, -methoden und -instrumente (BIM, KI etc.) können welchen Beitrag leisten, damit die Zielsetzungen mit deutlich tieferem Aufwand (und Kompetenzbedarf) für alle Beteiligten erreicht werden können? Inwiefern hat ein Vollzug in der Planung Vor- und Nachteile gegenüber einem Vollzug erst im Betrieb?.
  • Welche raumplanerischen bzw. städtebaulichen Parameter können energieeffizientes Bauen und die Gewinnung von erneuerbaren Energien an Gebäuden stimulieren? Wie können solche übergeordnete Massnahmen in Energievorschriften berücksichtigt bzw. beeinflusst werden? Erlaubt das rechtliche Umfeld gebäudeübergreifende Massnahmen?

Grundsätzlich bewegt sich die Untersuchung im Spannungsfeld "regulieren", um aus energetischer Sicht schlechte Bauqualität zu vermeiden, und "innovieren", um neue Konzepte, Technologien und Systeme (z. B. auch Low-Tech-Lösungen) zu ermöglichen.

Für die Beurteilung der energetischen Qualität eines Gebäudes müssen die Energieflüsse über die Systemgrenze Gebäude–Umwelt berücksichtigt werden. Erst an zweiter Stelle sind die Energieflüsse im Gebäude zu beurteilen. Mögliche Indikatoren sind der CO2-Ausstoss (direkt oder indirekt), die Effizienz des Systems, der Bauteile und/oder Komponenten (Nutzenergie), der Netto-Bedarf an nicht-erneuerbaren Energien (End- oder Primärenergie), der maximale Leistungsbezug (insbesondere Strom) oder der Speicherbedarf (Wärme, Strom, Gas).

Bedeutung

Der Gebäudepark der Schweiz beansprucht rund 40 Prozent des gesamten Bedarfs an Endenergie. Dabei kann bei Gebäuden die Energieeffizienz am wirtschaftlichsten und nachhaltigsten gesteigert werden – auch mit sehr direkt wirkenden Vorschriften.

Das Projekt untersucht daher Kombinationen von regulatorischen Massnahmen, im Speziellen Energievorschriften, mit denen die Zielerreichung der Energiestrategie 2050 am wirkungsvollsten und effizientesten unterstützt werden kann. Die heutigen MuKEn2014 stossen jedoch an technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grenzen. Eine Weiterentwicklung der MuKEn2014 nach dem Grundsatz "Weiter wie bisher" wäre eine verpasste Chance. Die Ergänzungsstudie erforscht daher neue Methoden, Konzepte und Elemente für Energievorschriften und entwickelt diese in zukünftigen MuKEn (stellvertretend "MuKEn2025" genannt) weiter. Diese MuKEn2025 orientieren sich an der Klima- und Energiepolitik des Bundes.

Originaltitel

Die Rolle von technischer Regulierung in der Transformation des Gebäudeparks und deren Integration in das zukünftige Energiesystem

Projektverantwortliche

  • Dr. Kristina Orehounig, EMPA Dübendorf
  • Prof. Matthias Sulzer, Empa UESL

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Matthias Sulzer Empa UESL Überlandstrasse 129 8600 Dübendorf +41 58 765 47 29 matthias.sulzer@empa.ch

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